Schätze aus Moskau. Niederländische Zeichnungen
aus dem Pushkin-Museum
18.03. – 19.06.2011
Ab dem 18. März richtet das in Moskau ansässige Staatliche Pushkin-Museum für bildende Künste eine große Ausstellung von niederländischen Zeichnungen im Bonnefantenmuseum in Maastricht aus. Das ist das erste Mal, dass das Pushkin-Museum eine so große Anzahl niederländischer Zeichnungen ins Ausland schickt. Bis zum 19. Juni 2011 werden neunzig Werke ausgestellt. Die Ausstellung wird am gleichen Tag eröffnet wie die TEFAF 2011. Die meisten Zeichnungen stammen aus der Zeit, in der die niederländische Kunst des 17. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erlebte, und wurden von Künstlern geschaffen, die den Geist dieser Zeit definierten.
Zeichnungen aus dem Goldenen Zeitalter sind nur ein Teil der aus niederländischen Drucken und Zeichnungen bestehenden Moskauer Sammlung, aber sie bilden den besten und kohärentesten Teil. Diese Arbeiten bedeutender Meister zeigen die Entwicklung der niederländischen Zeichenkunst vom späten 16. bis ins frühe 18. Jahrhundert.
Werke von Rembrandt und Künstlern seines Kreises bilden den unbestrittenen Mittelpunkt aller niederländischen Ausstellungen. Und die Ausstellung in Maastricht ist in dieser Hinsicht keine Ausnahme. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Zahl der Rembrandt-Zuschreibungen durch eine kritische Betrachtung des Werkes von Rembrandt, nicht zuletzt von niederländischen Kunsthistorikern, jedoch bedeutend verringert. Die Zeichnung einer Frau mit einem Kind auf dem Arm wird jedoch zweifellos als ein echter Rembrandt betrachtet. Ein Werk der späten 1640er Jahre zeigt Rembrandts unvergleichliche Fähigkeit, eine menschliche Figur mit wenigen Strichen in einer Fülle von Licht und Luft darzustellen.
Die bekannteste Zeichnung der Moskauer Sammlung und das Aushängeschild der Ausstellung ist „Frau backt Pfannkuchen" (auch bekannt als „Die Küche in Rembrandts Haus"). Diese wurde lange Zeit der Schule Rembrandts zugeschrieben, jedoch nicht Rembrandt selbst, sondern wie im Katalog angegeben, Jan Victors. Einige Zeichnungen, die Ferdinand Bol, Jan Victors, Nicolaes Maes, Willem Drost und Aert de Gelder zugeschrieben werden, sowie eine gefühlsbetonte Landschaft von Abraham Furnerius, zwei hervorragende Zeichnungen von Gerbrandt van den Eeckhout und ein seltenes, von Hendrick Heerschop signiertes Werk zeigen den Einfluss von Rembrandt am stärksten.
Ein erheblicher Teil der Ausstellung ist der Gruppe gewidmet, die als die „Italiengänger" bekannt ist, niederländische Künstler, die zu Studienzwecken nach Rom gingen. Dieser Bereich wurde von den Landschaftsmalern beherrscht. Nicolas Berchem ist zweifellos eine der führenden Persönlichkeiten der Italiengänger. Dieser Künstler ist mit vier Zeichnungen vertreten, von denen eine – Phantasiewesen in einer Landschaft – einzigartig ist. Berchem schuf mit seiner flimmernden Pinselführung eine wunderschöne italienische Landschaft mit einem Phantasiewesen: einem siebenköpfigen und siebenarmigen Satyr. Versuche, diesen Gedankenflug zu erklären, haben sich als vergeblich erwiesen.
Es ist den Kuratoren der Ausstellung gelungen, leicht zuzuschreibende, charakteristische und seltene Werke mit umstrittenen Zeichnungen zusammenzubringen, deren Zuschreibung in Frage gestellt werden kann. Obwohl umfassende Untersuchungen durchgeführt und Versuche unternommen wurden, alle losen Enden miteinander zu verknüpfen, gibt es immer noch Ungewissheiten und werden tiefgreifende Untersuchungen bis heute fortgesetzt. Das bedeutet, dass die Ausstellung zugleich ein wichtiges Instrument für weitere Forschungen ist.
Veröffentlichung
Zu der Ausstellung wurde ein umfassender wissenschaftlicher Katalog veröffentlicht: The Pushkin State Museum of Fine Arts - Netherlandish, Flemish and Dutch Drawings of the XVI-XVIII Centuries, Belgian and Dutch Drawings of the XIX-XX Centuries. Dieser Katalog, der auf dem bestehenden russischen Katalog beruht, wurde auf die Initiative der niederländischen Stiftung für Kulturinventarisierung (SCI) zusammen mit dem Pushkin-Museum in Moskau, unter der Leitung von Charles Dumas vom niederländischen Institut für Kunstgeschichte (RKD), zusammengestellt.
Download
hier als pdf