Rik Meijers / Jeroen van Bergen
17.04-03.07.2011
Der Begriff „Doppelausstellung" könnte den Eindruck wecken, dass Übereinstimmungen vorliegen. Es wird jedoch beabsichtigt, gerade die Unterschiede zwischen dem Werk von Jeroen van Bergen und dem von Rik Meijers hervorzuheben.
Diese Doppelausstellung ist ein Geflecht zweier Einzelausstellungen, bei dem der Besucher in jedem Saal einsehen wird, wie jeder der beiden Künstler seine eigene Welt schafft und wie groß die Unterschiede sein können. So wird insbesondere auf Reibungen und Gegensätze aufmerksam gemacht. Der Besucher wird eingeladen, an den „Stimmungswechseln", die sich von Saal zu Saal vollziehen, teilzunehmen. Das endgültige Ziel ist einzusehen, daß das Werk jedes Künstlers einzeln mehr Aussagekraft erzeugen kann, was zu einem besseren Verständnis für die jeweilige individuelle Position führt.
Rik Meijers
Das Werk von Rik Meijers ist inzwischen in den Niederlanden weit bekannt. Das Außerordentliche an diesem Werk ist die Tatsache, dass es ihm gelungen ist, seine Inspirationsquellen direkt in das Material umzusetzen, das sich daraus ergibt. Wenn es z.B. um Alkoholismus geht, finden wir das in seinem Werk in Form von Bierstopfen wieder. Geht es um psychische Störungen, dann ist die mit Pech und Federn behandelte Fläche ein ebenso direkter Hinweis auf die Quelle seiner Inspiration. Zahllose Werke porträtieren daher nach eigener Aussage Loser, Outcasts, Drop-outs, Gurus, Mystiker, Loners, Punks, Junks, Ghosts, Bums, Has-beens und Down-and-Outers. Damit erreicht Rik Meijers etwas in der Malerei, das als einzigartig bezeichnet werden kann.
Wir erhalten einen Einblick in die großstädtischen Orte, an denen sich die meisten von uns nicht aufhalten möchten. Ganz klar fügt er noch eine persönliche Schicht hinzu, die wir getrost als Poesie bezeichnen können. Wir neigen dazu, alle diese merkwürdigen Typen in unser Herz zu schließen, besonders deswegen, weil sie häufig an spirituelle bzw. mystische Sphären erinnern. Merkwürdigerweise beziehen sich zahlreiche Porträts trotz ihres weltlichen und sogar heruntergekommenen Aussehens auf die Christusfigur. Die Vergänglichkeit ist sowieso ein häufig wiederkehrendes Thema. Die Unter- und Oberwelt machen nur zu gerne ein Tänzchen miteinander. Der Totenkopf liegt direkt unter der Haut.
Heilsame Misserfolge
Rik Meijers erschafft ein Gemälde
Einige Passagen aus dem Katalogtext von Dominic van den Boogerd, Direktor von De Ateliers, Amsterdam.
Meijers beginnt ein Gemälde mit einer Zeichnung, die mit Siegellack angebracht wird. Diese Zeichnung beruht auf Bildmaterial, das aus sehr unterschiedlichen Quellen stammt - Volkskunst, viktorianischen Abbildungen, amerikanischer Outsider-Art, Punk-Parafernalien, katholischen Exvotos, Quilts für verstorbene Aidspatienten und psychedelischen Schallplattenhüllen aus den sechziger und siebziger Jahren. Die Zeichnung bestimmt das Muster für den weiteren Werdegang des Gemäldes. Und genau das sind die Gemälde, die an den Wänden des Ateliers hängen: Kunstwerke in verschiedenen Stadien ihres Entstehens. Bei einigen ist nur der erste Ansatz sichtbar. Teile der noch unbemalten Leinwand sind mit Hühnerfedern beklebt, die später mit Farbe bedeckt werden. Bei anderen, weiter ausgearbeiteten Gemälden sind Teile der Fläche mit den für Meijers typischen Bierstopfen, Glasscherben und Korken besetzt.[…]
Biografie
Rik Meijers (1963 - Rotterdam) lebt und arbeitet in Maastricht / Sittard. Er hat an der Akademie der Bildenden Künste in Maastricht und an der Jan van Eyck-Akademie in Maastricht studiert.
Kürzliche Ausstellungen (Auswahl): I am still what I wanted to be, (Solo), Friedman Benda Gallery, New York, 2011 / Poster Park, SCHUNCK*, Heerlen, 2010 / Towing the Line, Drawing Space, White Box, New York (Kat.), 2009 / StressedSpaces, KW14, 's-Hertogenbosch (Kat.), 2009 / Something Else!!!! a selection of works from the S.M.A.K., MAN, Nuoro, 2009 / You, David, Maria & Me, (Solo), Aschenbach & Hofland Galleries, Amsterdam, 2009 / Ad Absurdum, Museum MARTa, Herford (Kat.), 2008 / Collectiepresentatie, S.M.A.K., Gent, 2008 / Doe dat niet meer - Don't do that anymore, (Solo), Museum Het Domein, Sittard (Kat.), 2007
www.rikmeijers.com
Friedman Benda Gallery
Aschenbach & Hofland Galleries
*
Jeroen van Bergen
Jeroen van Bergen kennen wir von einigen Galerie-Ausstellungen in Lüttich und einigen Präsentationen in Maastricht (Hedah & Bonnefantenmuseum).
Sein Ausgangspunkt mag dann zwar ein Modell der Toilette sein, inzwischen baut er mega-städtische Strukturen und Gebäude, als ob es sein Ein und Alles wäre. Am merkwürdigsten dabei ist, dass er das Modell als Medium über seine Grenzen hinaushebt, ohne jemals in die Versuchung zu kommen, den Architekten zu spielen.
Alle seine Modelle unterliegen dem Prinzip der Stapelung (hintereinander und aufeinander), Reihe und Rhythmus, so dass Bauwerke entstehen, die sich unabhängig verhalten und eine völlig eigene „städtische" Welt bilden. Man könnte behaupten, dass es sich hier mehr um mit Musik als mit der bebauten Umgebung verbundene Phänomene handelt. Die unendliche Wiederholung der Module erinnert an die so genannte „minimal music" (Philip Glass).
Im Gegensatz zu Architekten verwendet Van Bergen das Prinzip des Modularsystem äußerst konsequent und weicht nicht davon ab. Die Wiederholung und der Rhythmus lösen seine Bauwerke von jeder Form der realen Realität. Er führt uns durch eine Welt der reinen Fiktion und Phantasie. Und wie Bart Verschaffel, Professor für Architekturtheorie und Architekturkritik der Fachschaft für Architektur & Städtebau an der Universität Gent, im begleitenden Katalog ergänzt, wird das Werk von Jeroen van Bergen „[…] wie etwas präsentiert, das nicht „gemacht" oder vor Ort zusammengebastelt wurde, sondern als ein preziöses und kostbares Objekt, das wie ein Geschenk, völlig neu und fertiggestellt, ausgepackt wird. Es erscheint plötzlich, erstaunlich, so dass jeder zu fragen vergisst, wo es eigentlich herkommt."
(Out of) The Box. Der Anfang der Architektur laut Jeroen van Bergen
Einige Passagen aus dem Katalogtext von Bart Verschaffel
Eine der wichtigsten Arten, etwas zu verstehen, ist, über dessen Anfang zu erzählen. Wie es angefangen hat und woher es stammt. Jeroen van Bergen erzählt in seinem gesamten Werk vom Anfang der Architektur. In seinem Ursprungsmythos ist das Prinzip – der Anfang und die Grundlage – der Architektur die Toilette. Er bezieht sich bei den Abmessungen und der Form dieser kleinsten Einheit der Bewohnbarkeit, des Bausteins, mit dem die Stadt und die Welt gemacht wird, auf die Baunormen für Toiletten in den Niederlanden. Dieses Modul bildet das Basismaterial für seine künstlerische Untersuchung. […]
In seinen ersten Werken hat Van Bergen mit dem „Prinzip" des Toilettenmoduls im Maßstab 1:1 eine Straße gebaut, einen Tunnelgang, einen Wagen, eine Badecke oder Duschzimmer… Diese Werke sind gewiss auch Modelle – vereinfachte Nachbauten, die zeigen, was die kleinstmögliche Architektur bewirkt. Aber es sind keine Maßstabmodelle. Seit einigen Jahren arbeitet Van Bergen konsequent mit dem Modul als Prinzip weiter, verkleinert aber systematisch den Maßstab und verwendet fast nur noch ausschließlich Maßstabsmodelle. Er untersucht, welches Bild der Architektur die massenhafte Vervielfältigung und das Kombinieren des „kleinsten Zimmers" ergibt. Die Variationen werden auf der Ebene des Gebäudes (mit verschiedenen Varianten von Häusern bis Gebäudeblocks und Turmgebäuden) und auf der Ebene der Stadt (mit Straßen, Fassadenreihen, Stadtmodellen...) entwickelt. Auf der Ebene der Stadt experimentiert Van Bergen sowohl mit horizontalen als auch mit vertikalen Stapelungen. Das führt zu äußerst unterschiedlichen interessanten Ergebnissen. Die Werke, bei denen er die kleinsten Zimmer massenhaft aufeinander stapelt, erinnern am ehesten an weite, unorganisierte Slums, die rund um die neuen Millionenstädte spontan wachsen, an die traditionellen Wüstenstädte, wie M'Zab in Algerien, oder an die Niederlassungen der präkolumbianischen Kultur. […]
Biografie
Jeroen van Bergen (1979 – Heythuysen) lebt und arbeitet in Maastricht. Er hat an der Akademie der Bildenden Künste in Maastricht studiert.
Einzelausstellungen (Auswahl): Galerie Nadja Vilenne, Lüttich, DSM, Sittard, 2010; Galerie Nadja Vilenne, Lüttich, 2007; toilet modulair 003: "straat 003" Hedah, Maastricht, 2006; Toilet modulair 001: "gipslab" Hedah, Maastricht, 2005.
www.jeroenvanbergen.com
Galerie Nadja Vilenne
*
Eröffnung
Die Doppelausstellung von Rik Meijers und Jeroen van Bergen wird am Sonntag, den 17. April 2011, um 14 Uhr offiziell für Besucher eröffnet. Diese Eröffnung beginnt mit einem umfassenden Interview mit beiden Künstlern und den Autoren der Kataloge. Anschließend kann die Ausstellung besichtigt werden.
Natürlich heißen wir die Presse bei dieser Eröffnung herzlich willkommen. Nach dem 17. April ist es jedoch auch möglich, mit der Abteilung Presse und Öffentlichkeitsarbeit des Museums einen individuellen Pressetermin zu vereinbaren, und zwar von Dienstag bis Freitag zwischen 11 und 17 Uhr. Wenden Sie sich diesbezüglich bitte an die Presseabteilung.
Veröffentlichungen
In den Sälen, die dem Werk von Jeroen van Bergen gewidmet sind, werden Modelle und Werke auf Papier ausgestellt. Die Ausstellung von Rik Meijers umfasst sowohl Gemälde als auch Werke auf Papier. Zu dieser Doppelausstellung sind zwei Kataloge erschienen:
As if we never knew it von Rik Meijers und eine Veröffentlichung über das Werk von Jeroen van Bergen. Beide sind im Museumsshop erhältlich.
ANMERKUNG FÜR DIE PRESSE: Benötigen Sie weitere Informationen? Wenden Sie sich bitte an die Presseabteilung (Di-Fr), Avenue Céramique 250, Postbus 1735, NL-6201 BS Maastricht. Tel. +31 43 329 01 10, Fax +31 43 329 01 99, Guillemette Naessens / Noortje Fischer: pressoffice@bonnefanten.nl
Download
hier die Pressemitteilung als pdf.