Die Schönheit der Stille – Japanische Drucke von Tsukioka Kōgyo
15.01.12 – 08.04.12
In Zusammenarbeit mit dem Japanmuseum SieboldHuis, Leiden, Niederlande
Am 15. Januar 2012 wird im Bonnefantenmuseum die Ausstellung Die Schönheit der Stille – Japanische Drucke von Tsukioka Kōgyo eröffnet, die Teil einer Reihe von Ausstellungen unter dem Titel „Kunst auf Papier" im Bonnefantenmuseum ist. Das Werk eines der großen japanischen Druckkünstler der vorigen Jahrhundertwende, Tsukioka Kôgyo, steht in dieser Ausstellung im Mittelpunkt.
Kōgyo ist durch seine beliebten Abbildungen des typisch japanischen Nō-Theaters, das am Ende des vorigen Jahrhunderts einen wahren Aufschwung erlebte, bekannt geworden. Er bildete auch Tiere und Landschaften ab. Seine Technik, den Farbholzschnitt, hat er so verfeinert, dass dieser nicht von einem Gemälde zu unterscheiden ist.
Das Jahr von Tsukioka Kōgyos Geburt, 1869, geht mit großen politischen und wirtschaftlichen Veränderungen in Japan einher. Von 1603 bis 1868 herrschten die so genannten Shoguns mit einem feudalen Machtsystem und hatten somit die Kontrolle über alle angesehenen Familien in Japan. Der Kaiser war nur noch offizieller Machthaber, denn eigentlich war er eine Geisel der Shoguns.
1868 wurde die Macht des Kaisers wieder hergestellt und begann die Meiji-Periode, die nach dem ersten „modernen" Kaiser von Japan benannt ist. Kaiser Meiji unterschied sich von den Shoguns durch sein Interesse für den Westen und somit für westliche Kunst. Außerdem läutete er in Japan die industrielle Revolution ein, die sich Jahrzehnte zuvor bereits aus England und Belgien über Europa und die Vereinigten Staaten ausgebreitet hatte. Ferner förderte er eine zentrale Staatsmacht, mit Tokio als wirtschaftlichem und politischem Zentrum, und öffnete allmählich die Grenzen des geschlossenen und nach innen gekehrten Landes. Mit dieser Modernisierung besann man sich in Japan gleichzeitig stark auf die eigene Vergangenheit und auf östliche Werte.
Einer dieser östlichen Werte, das klassische und stille Nō-Theater, war bereits Jahrhunderte lang unter den Machthabern gediehen und schien anfänglich das Opfer der Neuerungen zu werden. Es erholte sich jedoch, weil es ein neues Publikum von seiner stillen Schönheit zu überzeugen wusste. Sowohl durch die Anstrengungen einiger Nō-Darsteller, japanischer Regierungsvertreter und ausländischer Besucher Japans kam es zu einem Wiederaufschwung dieser alten Theaterform. Verbunden mit dem Interesse von Künstlern, wie von Kōgyos Lehrmeister Tsukioka Yoshitoshi (1839-92), und den Möglichkeiten, die „normalen Bürgern" endlich geboten wurden, um diese Theaterform kennen zu lernen, war die Wiedergeburt ein Fakt. Nicht nur auf der Bühne, sondern auch auf bedrucktem Papier.
Die Drucke enthalten viele Informationen über die Theaterstücke – häufig wird eine wichtige Szene aus der Geschichte gezeigt –, aber auch über Situationen hinter der Bühne. Ferner gibt es Drucke mit den Sängern und Musikanten, Theaterattributen und Masken sowie vom Aufbau des Podiums selbst. Sie sind eine wahre Goldmine für Liebhaber dieser alten Theaterform, aber auch für Sammler der Druckkunst, denn alle Drucke dieser Serie sind besonders gut und auf äußerst hochwertigem Papier gedruckt. Von Kōgyo gibt es auch Druckserien mit anderen Themen, wie z.B. wunderschöne Natur- und Vogeldrucke.
Katalog: Robert Schaap, J. Thomas Riemer, The Beauty of Silence – Japanese Nō & Nature prints by Tsukioka Kōgyo 1869-1927 (Hotei Publishing (Leiden, Boston, 192 Seiten, 450 Farbabbildungen). Dieser ist im Museumsshop erhältlich.
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